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Linien und die Drittelregel

Bestimmt hast du den Begriff Drittelregel schon gehört. Doch was genau verbirgt sich eigentlich hinter dieser fotografischen Regel? Und welchen Einfluss haben Linien auf deine Bilder?

Drittelregel

 

Linien machen ein Foto interessant!

Wir Menschen sind schon Gewohnheitstiere und suchen in Fotos unbewusst nach Orientierungspunkten. Das können Grashalme in einer Nahaufnahme sein oder der Horizont bei Landschaftsaufnahmen.
Linien geben uns Halt und lassen uns das Bild in den Raum einordnen. Außerdem lässt sich der Blick mit Linien in einem gewissen Maß lenken.

Dieses Wissen kannst du dir zu Nutze machen, indem du dem Betrachter gezielt Linien im Bild präsentierst.

Dabei gibt es unterschiedliche Arten von Linien:

 

Dominante Linien

dominante LinienBesonders dominante Linien sind solche, die besonders aus dem Bild herausstechen.
Das kann einerseits durch einen starken Kontrast oder eine unterschiedliche Helligkeit passieren. Aber auch Linien, die im Bild „versteckt“ sind können dominant sein, und das Auge lenken.

Lange Linien sind meist dominanter als kürzere und können den Bildinhalt gewissermaßen teilen.
Andere Linien können einen Rahmen schaffen und unseren Blick begrenzen.

 

Unterstützende Linien

Unterstützende LinienIn den meisten Bildern wirst du nicht nur eine Linie in eine Richtung finden. Normalerweise geben mehrere Linien eine Richtung vor und unterstützen dabei eine dominante Linie.
Diese Geraden kannst du auch in der Nachbearbeitung von Bildern nutzen, um die Dominanz einer anderen Gerade zu steigern.

 

Waagerechte Linien

Geraden, die dein Bild quer teilen erinnern unbewusst immer an einen Horizont. Mit solchen Linien lassen sich zwei verschiedene Bildbereiche inhaltlich abgrenzen, ohne den Betrachter zu verwirren. Außerdem verleihen sie dem Bild eine gewisse Stabilität und Schwere.

Waagerechte Linien haben eine weitere interessante Funktion. Willst du einem bestimmten Bildbereich scheinbar stärker gewichten, musst du nur darauf achten, dass dieser Teil über oder unter der Horizontlinie größer ist, als der restliche Bildteil.

Horizontale Geraden kannst du außerdem gezielt nutzen, um mit deinem Bild eine kleine Geschichte zu erzählen. Linien, die von Links ins Bild hineinlaufen, suggerieren dir einen Einstieg in dein Bild. Läuft die Linie nach rechts aus dem Bild heraus, scheint das Bild eine abgeschlossene Situation zu porträtieren.

 

Vertikale Linien

Linien, die das Bild hochkant teilen, wirken beim Betrachten als Barriere. Du wirst unweigerlich an einem solchen Bildteiler hängenbleiben. Platzierst du solche Linien in den Randbereichen deines Fotos, erzeugst du damit einen scheinbaren Rahmen. Vertikale Linien mitten im Bild können dein Bild inhaltlich teilen.

Gleichzeitig findest du horizontale Linien sehr häufig in Verbindung mit Spiegelsymmetrien.

 

Diagonalen

Eine weitere sehr wichtige Linienform sind die Diagonalen.
Diese können dein Bild zusätzlich stärken aber auch entwerten und die Bildaussage abschwächen.

Läuft eine Diagonale von links unten nach rechts oben, wirkt diese Linie wie ein bildhafter Aufstieg. Du wirst eine solche Gerade unbewusst mit Aktienkursen vergleichen, bei denen ein Anstieg ähnlich aussieht. Genauso verhält es sich mit nach rechts hin, fallenden Linien. Diese suggerieren dir einen Abwärtstrend und rufen unbewusst kraftlose, schon fast negative Wirkung hervor.

 

Drittelregel

Diese Grundregel der Fotografie solltest du kennen, denn diese kannst du lernen zu beachten. Außerdem hilft sie, deine Fotos handwerklich perfekt werden zu lassen. ;-)

Nach dem Grundsatz der Drittelregel teilst du das Bild in drei gleichgroße Stücke. Anhand dieser imaginären Linien richtest du nun die interessanten Bildelemente aus.

Hier ein Bepispiel:

Im Original befindet sich das Feuerwerk genau in der Bildmitte. In der Nachbearbeitung habe ich das Bild etwas zugeschnitten und mich an die Drittelregel gehalten. Dabei verteilen sich nun die Bildinhalte auf das imaginäre Raster. Dadurch wirkt das Bild spannender und der Fokus beim Betrachten liegt nicht mehr in der langweiligen Bildmitte.

Gerade für die Landschaftsfotografie ist die Drittelregel ein sehr einfach umzusetzendes Stilmittel. An vielen Kameras lässt sich dieses Drittel-Gitter sogar direkt auf dem Bildschirm einblenden. So lassen sich der Horizont und andere Bildelemente einfach anhand dieser Linien ausrichten.

Die Drittelregel lässt sich sogar bei Unterwasserfotos oder Portraits anwenden.

Und solange du dich bei der Bildgestaltung halbwegs an diese Regel hältst, kann das Bild nicht ganz schlecht werden. ;-)
Das heißt aber nicht, dass du diese Regel um jeden Preis einhalten sollst. Viele Fotos leben davon, dass andere Linien oder Regeln (unbewusst) zur Anwendung kommen.

 

Goldener Schnitt

Ein weiteres Stilmittel, das etwas weniger bekannt ist, als die Drittelregel, ist der Goldene Schnitt nach Fibonacci.
Hier wird das Bild in etwa 2 Drittel und 1 Drittel geteilt. Das kleinere Stück wird nach dem gleichen Verfahren geteilt und so weiter.
Dadurch entsteht die sogenannte Fibonacci-Spirale.

Die Theorie hinter dem Goldenen Schnitt besagt, dass eine Anordnung nach diesem Schema dem Element im Zentrum der Spirale ein besonderes Gewicht verliehen wird.

Allerdings lassen sich auch Bildausschnitte an der Spirale selbst ausrichten. Das erzeugt eine besondere Harmonie im Bild und lässt das Foto besonders ruhig wirken.

Welche der oben genannten Regeln du anwendest, bleibt natürlich dir überlassen. Aber sie können dir das Leben manchmal etwas leichter machen. Vor allem wenn du ein eigentlich unspektakuläres Motiv vor dir hast.

Löse dich trotzdem ab und zu von diesen Regeln und probier was Anderes aus. So bleibst du Kreativ und deine Bilder heben sich aus dem Drittelregel-Einheitsbrei ab.

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