Was ist eigentlich HDR-Fotografie?

HDRs sind in der digitalen Fotografie ein sehr umstrittenes Thema. Die meisten Fotografen verbinden damit Fotos mit extrem unnatürlichen Farben, Lichtsäumen um Kanten verschiedener Objekte und Bilder die den Betrachter quasi anschreien.

Dabei kann HDR auch ganz anders. Eigentlich steht die Abkürzung HDR nur für die Bezeichnung „High Dynamic Range“. – Direkt ins Deutsche übersetzt bedeutet es also nicht mehr als Hoher Dynamikumfang.

Die Idee hinter dem hohen Dynamikumfang ist für die digitale Fotografie auch wichtig, denn keine der aktuellen Kameras ist in der Lage, den gesamten Helligkeitsumfang unserer Augen komplett in einem einzelnen Foto abzubilden. Dass bei extremer Bearbeitung der Ausgangsdaten, die Bilder kitschig und unnatürlich wirken können, steht auf einem anderen Blatt.

HDR vom Hafen Stuttgart
HDR vom Hafen Stuttgart

 

Was heißt das für deine Bilder?

Das menschliche Auge nimmt Bilder mit einem sehr großen Helligkeitsspektrum immer noch differenziert wahr. Fotoapparate sind leider nicht in dem Maße dazu fähig.
Wenn du nun Motive mit übermäßig hellen und besonders dunklen Bereichen fotografierst, führt das IMMER zu einem Verlust von Bildinformationen. Entweder in den hellen Bereichen oder in den Schattenpartien.

Wie du in diesen den beiden Bildern sehen kannst, „fressen“ entweder die Lichter aus – das heißt die weißen Stellen im Schnee sind viel zu hell und beinhalten keine Struktur mehr. Oder, wie im zweiten Bild, sind die Schatten im Efeu zu einer undifferenzierbaren schwarzen Einheit verschmolzen.
 



 

Was kannst du in einem solchen Fall tun?

Natürlich – du erzeugst ein Bild mit einem Hohen Dynamikumfang. Ein HDR.

Für ein fertiges HDR-Bild benötigst du mehrere Bilder mit einer unterschiedlichen Belichtung. Im Idealfall hast du mindestens ein unterbelichtetes, ein normal belichtetes und ein oder mehrere überbelichtete Fotos.

Einige aktuelle Kameras haben eine HDR-Funktion integriert. Mit dieser Einstellung erzeugt deine Kamera mehrere unterschiedlich belichtete Bilder in kurzer Abfolge, die dann noch direkt im Gerät verrechnet werden. Anschließend wird das Bild als JPG auf der Speicherkarte abgelegt.

Wenn du mehr Kontrolle über das spätere Bildergebnis haben willst, kannst du die Belichtungsreihen auch manuell erzeugen.

Dabei werden werden auch hier von deiner Kamera mindestens drei Bilder erstellt. Allerdings werden diese Bilder einzeln als RAWs gespeichert, die du später zu einem einzigen Bild verrechnen kansnt. Hier kannst du nachlesen, wie du solche Belichtungsreihen erzeugst.

 

Und jetzt?

Aufgrund der unterschiedlich belichteten Fotos, stehen nun insgesamt mehr Bildinformationen zur Verfügung. So sind zwar im unterbelichteten Bild die Tiefen nicht mehr zu unterscheiden, dafür sind die Lichter im Bild klar und strukturiert erkennbar. Andersherum verhält es sich mit dem überbelichteten. Die Schatten sind nicht mehr schwarz, sondern weisen Struktur auf. Dafür sind nun die hellen Stellen ausgefressen. Nutzt man nun aus allen drei Bildern jeweils die Bildbereiche, in denen die meiste Bildinformation steckt, lässt sich damit ein einzelnes Bild mit erweitertem Dynamikumfang erzeugen.

Die gängigen Bildbearbeitungsprogramme bieten von Haus aus eine HDR Funktion an. Hier liest du wie du HDR Fotosin Lightroom erstellst.

Wer sich mehr mit dem Thema HDR auseinander setzt, kommst du auf Dauer an Photoshop oder anderer spezieller Software nicht vorbei.

Die verbreitetsten Programme sind:
Franzis – HDR-Projects 2018* und
HDR-Soft | Photomatix Pro 6*

 

Nachteile der HDR Bilder

Nun weisen deine Bilder nach der Bearbeitung zum HDR einen extrem hohen Dynamikumfang auf und verbessern die Bildqualität sichtbar.

Was spricht also dagegen, diese Funktion bei jedem Bild einzusetzen?

Wo Licht ist, ist auch Schatten! …wie passend ;-)

  • HDRs brauchen Zeit – Auch wenn deine Kamera schon eine interne Bildverrechnung erlaubt, benötigt diese doch deutlich mehr Zeit als das reine Erzeugen eines normalen Fotos. So kann es passieren, dass du durch den Speichervorgang ein spannendes Bild verpasst. Aber auch das Erzeugen einer Belichtungsreihe benötigt mehr Zeit als für ein normales Bild.
  • HDRs wirken oft unnatürlich Oft sehen Hochdynamikbilder sehr künstlich aus. Das entstandene Bild entspricht meist nicht mehr dem Bild, welches wir mit unserem Auge sehen würden.
  • Ein gutes HDR erfordert ein Stativ Beim Erstellen der Belichtungsreihe solltest du möglichst mit einem Stativ arbeiten, um ein Verwackeln oder Verschieben des Bildausschnitts zu verhindern.
  • Geistererscheinungen im Bild – Liegen einzelne Teile in der Belichtungsreihe nicht exakt übereinander, kommt es zu „Geistererscheinungen“ und einem Doppelbelichtungseffekt. Deshalb solltest du im Bereich der Personenfotografie und bei anderen bewegten Motiven immer auf das HDR verzichten!

 
Empfehlung:
Wenn du dir besonders dezente und wirklich gelungene HDRs ansehen willst, kannst du in der Galerie von mww schmidt einige Perlen finden.
http://www.fotocommunity.de/fotograf/mww-schmidt/fotos/1189769

Michael versteht sich darauf, die Szenen trotz des HDR-Effekts so natürlich wie möglich erscheinen zu lassen.

Wenn dir der Artikel gefallen hat, freue ich mich über einen Kommentar oder Wünsche zu neuen Themen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.