Smartphone LG V10

Smartphone LG V10

Für die letzten Tage hatte ich das LG V10 zum Testen im Haus.

Aber wie kommt ein Fotoblog zum Test eines Smartphones?

LG ist einer der wenigen Smartphonehersteller, der sämtliche Kameraeinstellungen für den Benutzer zugänglich macht. Neben den typischen Automatikmodi bietet das LG V10 einen komplett manuellen Fotomodus mit der Möglichkeit, Bilder im RAW-Format zu speichern. Damit wird dieses Smartphone auch für Hobbyfotografen interessant.

LG ist zwar nicht der erste Anbieter der diese Funktionalität in seinen Geräten bietet, jedoch schlägt sich das Testgerät erstaunlich gut. Dieser Test befasst sich nur mit der Kamera- und Displayqualität.

 

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass das V10 die Bilder als RAW speichern kann?

Diese Funktion sollte nicht überbewertet werden…
…aber es kann RAW!!!

Vorteile

Die Vorteile einer guten Smartphone-Kamera liegen auf der Hand. Das Handy hat man sowieso dabei, Bilder können sofort geteilt und verschickt werden, es können keine Speicherkarten vergessen werden, keine zusätzlichen Akkus müssen geladen werden, und, und, und…

LG V10
LG V10

Trotzdem ist auch das V10 keine ernsthafte Alternative für einen ambitionierten Fotografen. Die fehlende Zoomfunktion und eine feste Blende schränken die Kreativität doch ein wenig ein. Andererseits gewinnt der Aspekt der Bildqualität mit dem V10 wieder deutlich an Gewicht. Mit den möglichen manuellen Einstellungen von Weißabgleich bis Belichtungszeit, ersetzt das getestete Smartphone ohne Probleme günstige Kompaktkameras und ist auch für deutlich mehr als nur Schnappschüsse zu gebrauchen.

Die offiziellen Kameraspezifikationen:

Das LG V10 hat eine 16MP Hauptkamera mit einem 1/2.6 Zoll Sensor, sowie eine 5MP Dual-Frontkamera, die in der Lage ist einen Bildwinkel von 140° zu erfassen.

Technische Daten hin oder her, viel interessanter sind die folgenden Optionen. Hier bietet uns das Smartphone diese manuellen Einstellungen:

Weißabgleich
Weißabgleich

Weißabgleich
Der Weißabgleich ist mit einer Farbskala von blau bis rot sowie kleinen Symbolen und einer Angabe der Farbtemperatur in Kelvin einstellbar.

Manueller Fokus
Manueller Fokus

Manueller Fokus
Die Bilder lassen sich komplett manuell scharfstellen. Dabei liegt die Naheinstellgrenze für Makros bei etwa 7cm.

ISO
ISO

ISO
Der ISO ist in 50er Schritten von ISO50 bis ISO2700 einstellbar.
Ich würde die Werte wenn möglich nicht über ISO800 erhöhen. Das Rauschen wird ab ca. ISO1000 doch sehr deutlich sichtbar.

Belichtungszeit
Belichtungszeit

Belichtungszeiten
Das V10 bietet dem Benutzer Verschlusszeiten zwischen 1/6000s und ganzen 30s.
Damit liegt die minimale Belichtungszeit sogar unter der meiner beiden Spiegelreflexkameras.
Gerade bei starkem Sonnenlicht ist eine solch kurze Verschlusszeit ein Segen, denn die Blende von 1.8 lässt sich nicht verändern.

Histogramm
Histogramm links oben

Histogramm und Belichtungsmessung
Für alle Fotobegeisterten, die Wert auf eine korrekte Belichtung legen, lässt sich auf dem Display ein kleines Live-Histogramm einblenden, das eine Einschätzung der Belichtungssituation ermöglicht. Außerdem wird zusätzlich auf dem Bildschirm eine Belichtungsskala angezeigt, die hilft das Bild korrekt zu belichten.

Wasserwaage
Wasserwaage im Display

Wasserwaage oder Raster
Zusätzlich zum Histogramm lassen sich auch ein Drittel-Raster oder eine Wasserwaage einblenden.
Letztere signalisiert über weiße Flügel an einem Kreisausschnitt den Neigungswinkel der Kamera und verfärbt sich bei korrekter horizontaler und vertikaler Ausrichtung grün. Gerade für Landschafts- oder Architekturfotografien kann dieses Werkzeug hilfreich sein.

RAW
Wie schon erwähnt, ist das V10 in der Lage die Bilder entweder als nur JPG oder JPG und RAW zu speichern. Dabei greift die Kamera auf das digitale Negativ-Format .dng zurück, welches in den gängigen Bildbearbeitungsprogrammen bearbeitet werden kann. Auch eine Raw-Entwicklung mit Lightroom ist so möglich und die Qualitätsunterschiede sind deutlich sichtbar.
Beispielbilder befinden sich am Ende der Seite.

Blitz
Wie die meisten Smartphones bietet auch das LG V10 einen LED-Blitz an, mit dem sich nahe Objekte ein wenig ausleuchten lassen. Ob die Verwendung sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt.
Nett jedoch ist die Möglichkeit mit der Auswahl „Blitz R“ auf den zweiten Verschlussvorhang zu blitzen. Damit werden bewegte Objekte auch bei etwas längeren Belichtungszeiten zuverlässig eingefroren.

Automatik
Im Automatikmodus stehen zusätzliche Programme und Hilfsmittel zur Verfügung. So lassen sich mit wenigen Klicks Zeitlupenvideos, Zeitrafferaufnahmen, Panoramen und lustige Multiview-Bilder erstellen. An diesem Punkt möchte ich darauf hinweisen, dass all diese Funktionen in der standard Kamerasoftware enthalten sind. Andere Hersteller auch wirklich teurer professioneller Kameras lassen sich Zusatzprogramme wie z.B. eine Time-Lapse App extra bezahlen.

Außerdem lässt sich die Kamera mit Sprachkommandos und Gesten auslösen.

Panorama
Eine Option die die Panoramafunktion bietet, ist die Möglichkeit nicht nur Landschaften als Breitbild aufzunehmen, sondern auch näherliegende Objekte. Dadurch können Gegenstände im Vergleich zu einem Einzelbild mit höherer Auflösung aufgenommen werden.

Video
Die meisten manuellen Einstellungen sind auch im Video-Modus verfügbar und bieten so maximale Kontrolle über die aufzunehmenden Filme. Zusätzlich ist im Video-Mode ein Optischer Bildstabilisator (OIS) verfügbar. Neben Full HD ist beim V10 auch die Möglichkeit gegeben Videos in UHD Auflösung zu drehen (4K Video).

Ein weiteres geniales Feature ist die Steuerung der Mikrofonrichtwirkung und Anpassung der Aufnahmepegel.

Mikrofoneinstellungen
Mikrofoneinstellungen
Praxistest des V10

Wie sich das V10 im Praxistest geschlagen hat:

Schon beim Auspacken fiel mir das V10 das erste Mal positiv auf. Auch wenn es für kleine Hände recht groß ist, liegt es sehr angenehm in der Hand und wirkt aufgrund des Metallgehäuses und seines Gewichts wertig und robust.

Die Bedienung wie bei jedem anderen Android-Gerät ziemlich unkompliziert und auch die Kamera-App ist übersichtlich gestaltet. Sämtliche Funktionen und Hilfsanzeigen sind logisch angeordnet.

Während der ersten Bilder, die ich mit dem V10 schoss, stellte ich mit Erstaunen fest, wie schnell und sicher der Autofokus arbeitet. Per Druck auf einen beliebigen Punkt auf dem Display, lässt sich der Fokuspunkt gezielt intuitiv verschieben.

Super finde ich die Auslagerung der Haupteinstellungen der Kamera auf das zweite kleine Display am oberen Rand des V10. Damit bleibt mehr Platz auf dem Hauptdisplay und die Anzeige wirkt weniger überladen mit Informationen.

Auch das Vornehmen manueller Einstellungen klappt einfach und unkompliziert. Gerade bei der Einstellung des Weißabgleichs profitieren auch Anfänger von den verschiedenen Darstellungsweisen. Der Fokus lässt sich auch manuell überraschend genau justieren und bietet damit spannende kreative Anwendungsmöglichkeiten.

Leider ist die Blende auf 1.8 festgesetzt, was die kreative Verwendung der Tiefenschärfe ausschließt. Auch der fehlende Zoom ist ein Wermutstropfen, den man bei den meisten Smartphones schlucken muss. Den digitalen Zoom verwende ich aus Prinzip nicht!

Schön finde ich, dass die Bilder nicht so übersättigt sind, wie bei anderen Kameras. Damit bleibt auch für die Nachbearbeitung noch mehr Spielraum.

Stocherkahn in Tübingen
In Gegenlichtsituationen und bei Fotos mit hohem Kontrast nimmt die Kamera eine Überbelichtung in den hellen Bereichen in Kauf, erhält so aber mehr Details in den Schatten. Alternativ kann hier auch der HDR-Modus eingesetzt werden, jedoch hatte ich das Gefühl, dass hier die Bilder etwas überschärft sind.

Generell ist in den Bildern ein sichtbares Farbrauschen erkennbar, was bei einer normalen Betrachtung auf dem Smartphone keine Rolle spielt, erst bei stärkerem Hineinzoomen werden rot-blaue Flecken deutlich sichtbar.

Rauschen bei ISO 150
Rauschen bei ISO 150

Bei der Verwendung der RAW-Dateien kann man diese Bildfehler mithilfe einer Rauschreduzierung gut in den Griff bekommen. Dennoch sollte der ISO möglichst nicht über 1000 erweitert werden.

Auch das Betrachten der Bilder auf dem Display ist sehr angenehm. Eine Auflösung von 1440×2560 Pixeln gibt die Bilder sehr scharf wieder, einzig die Farbdarstellung leidet etwas unter dem IPS LCD Bildschirm. Warum hier auf ein Super AMOLED Display verzichtet wurde erschließt sich mir noch nicht.

Fazit:

Das LG V10 war ein schönes Testgerät, von dem ich überraschend positiv angetan bin.
Im Vergleich zum Note 4 von Samsung sind die Bilder ausgewogener belichtet, dafür etwas weniger brillant und detailreich. Allzu groß ist der Unterschied jedoch nicht.
Manuelle Einstellungen und die Möglichkeit in RAW zu schießen sind für kreative Spielereien viel wert und heben das V10 zumindest fotografisch aus der Smartphone-Masse heraus.
Das LG ersetzt keine Spiegelreflexkamera – Diesen Anspruch erhebt das Gerät auch definitiv nicht, doch die Bilder sind qualitativ absolut in Ordnung und können auch bedenkenlos über die üblichen Fotoservices entwickelt werden.

In meinen Augen ist die Kamera des V10 für alle Amateurfotografen geeignet, die ihre Kamera auch mal daheim lassen und trotzdem nicht auf die Einstellmöglichkeiten einer guten Kompaktkamera verzichten wollen. Und lieber mache ich mal ein Bild mit dem Smartphone, als mich nachher nur darüber zu ärgern, dass ich meine „richtige“ Kamera nicht dabei hatte.

Beispielbilder

Schloss Tübingen Tübingen Rathausplatz Altstadt Stocherkahn TübingenBlumen LG-H960 LG-H960 LG-H960

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