Tabletop

Tabletop und Produktfotografie

Gegenstand- und Produktfotografie ohne großen Aufwand.
Mit dieser Seite will ich zeigen wie man mit einfachen Mitteln Gegenstände im High und Lowkey-Verfahren fotografieren kann und dabei das Objekt sauber freistellt.

Nicht jeder kann und will sich ein teures Heimstudio aufbauen oder sich jedes Mal in ein Fotostudio einmieten, wenn er Fotos von Gegenständen, Obst etc. anfertigen will.

Mit einigen Hilfsmitteln aus dem Baumarkt und mindestens zwei externen Blitzen lässt sich ziemlich einfach ein wunderbarer zweckgebundener Aufbau realisieren. Ein weißer oder schwarzer Hintergrund ist für diese Art von Fotografie optimal, da das Objekt besonders gut freigestellt werden kann.

Benötigtes Zubehör
  • 3mm Kunststoffplatten in verschiedenen Größen
  • Kunststoffklemmen oder Schraubzwingen
  • Zwei entfesselte Aufsteckblitze
  • evtl. eine Softbox

Ich selbst verwende für die Tabletop- und Produktfotografie Kunststoffplatten aus dem Baumarkt. Diese Platten sind recht robust, sind in den wichtigsten drei Farben verfügbar und nicht allzu teuer. Die wichtigsten Farben sind Grau, Weiß und Schwarz. Damit lassen sich High-Key Fotos, Low-Keys und alles dazwischen erzeugen.

Produktfotografie High-Key Beispiel
High-Key Beispiel

Zunächst hatte ich die kleinen Platten mit 1000mmx500mm besorgt und einfach hochkant hingestellt. Das Ergebnis hat mich nur bedingt überzeugt.

Leider war der Übergang von der Bodenplatte zu den beiden Hintergrundplatten als Schatten und kleiner Spalt auf den Fotos deutlich zu erkennen. Dieses Problem erfordert unnötige Nachbearbeitung, weshalb ich nach einer Lösung suchen musste.

Die Kante im Hintergrund ist deutlich sichtbar
Kante sichtbar

Hier gebe ich zu bei professionellen Produktfotografen gespickelt zu haben. Diese verwenden einen scheinbar endlosen Hintergrund aus Papier, wie er auch in der Portraitfotografie verwendet wird. Dieser lässt sich mit Hilfe einer größeren Hartfaserplatte mit ein wenig Bastelgeschick recht leicht selbst im kleinen Maßstab realisieren.

Nahtloser Hintergrund
Nahtloser Hintergrund

Dazu habe ich mir die Platten in 1500x500mm besorgt. Damit kann ich die Platte ganz einfach nach hinten hochbiegen und fixieren. Man kann die Platten entweder an die Wand anlehnen oder mit z.B. Schraubzwingen am Tisch befestigen.

Alternativ, können auch dünnere Pappbahnen übereinander gelegt werden, aber hier fängt man hinterher wieder an zu retuschieren.

Bessey Klemmen auf Amazon
Bessey Klemmen auf Amazon

Zum Schnellen festklemmen verwende ich Kunststoffklemmen von Bessey. Diese sind nicht teuer und auch in verschiedenen Größen erhältlich. Damit kann ich das Set schnell und flexibel aufbauen und auch ohne Probleme ändern.

Für die Ausleuchtung kommen Speedlites von Canon (430 EX II) und Yongnuo (YN-568 EX II) mit sowohl TTL als auch manueller Steuerung zum Einsatz. Diese werden mit Yongnuo Funksendern (YN622-C) entfesselt und können so wunderbar in das Setup integriert werden. Gelegentlich nutze ich auch eine Softbox von Neewer mit 80x80cm.

 

Setups und Lichtführung für die einfache Produktfotografie

Hier habe ich je nach dem, welches Objekt ich fotografieren will ein unterschiedliches Setup. In der Regel arbeite ich mit zwei Blitzen, selten auch drei. Je nach Stil und gewünschter Beleuchtung kommt auch eine Softbox als Beleuchtung zum Einsatz.

Setup 1 – High-Key ohne Softbox
Highkey Setup ohne Softbox
Highkey Setup ohne Softbox

Bei diesem Aufbau kommt als Boden und Hintergrund die 1,50m lange Kunststoffplatte zum Einsatz.

Diese lege ich auf einen Tisch und ziehe das hintere Ende so weit hoch, dass ich mein Objekt aus allen wichtigen Richtungen fotografieren kann, ohne das Ende der Bahn zu sehen. Nun kommen zwei kleinere Platten als Seitenteile zum Einsatz, die ich mit Klammern am Hintergrund fixiere. Obendrauf kommt eine weitere kleine Platte, mit der ich meinen fotografischen Raum komplett schließe und das Umgebungslicht weitestgehend aussperre.

In diesem Setup verwende ich meist zwei Blitze. Einer blitzt die linke Seite in einem spitzen Winkel an, und beleuchtet so auch den Hintergrund, dabei achte ich darauf, kein direktes Licht auf mein Objekt fallen zu lassen. Der zweite Blitz wird in einem recht steilen Winkel entweder auf die andere Seitenwand oder die Deckelplatte gerichtet. Durch die Verwendung der weißen Platten wird das Licht gestreut und in alle Richtungen reflektiert. Dadurch ergibt sich ein weiches Licht auf dem gesamten Objekt und es entstehen kaum Schatten. Durch verschieben der Blitze und Anpassung der Leistung, lassen sich sehr unterschiedliche Ergebnisse erreichen.

Setup 2 – High-Key mit Softbox
Highkey mit Softbox
Highkey mit Softbox

Auch hier kommt wieder die Lange Kunststoffplatte als Untergrund und Rückwand zum Tragen.

Abermals verwende ich die kleineren Platten als Seitenwände und Deckel. Mit dem Unterschied, dass ich eine dieser Platten durch eine 80x80cm große Softbox ersetze.

Dies ermöglicht es mir weiche Schattenverläufe in eine Richtung zu erzeugen und somit eine gezieltere Lichtrichtung festzulegen als in dem Setup ohne Softbox.
Der zweite Blitz dient als Aufhellblitz für den Hintergrund und die der Softbox abgewandten Seite.

Sehr deutlich zeigt sich in dem Bild des Setups eine sehr gleichmäßige Ausleuchtung der gesamten Szenerie.

Setup 3 – Low-Key mit und ohne Softbox
Lowkey mit Pergamentpapier
Lowkey mit Pergamentpapier

Statt der weißen Platten verwende ich hier die schwarzen. Bei diesem Setup, ist es wichtig so wenig reflektierende Flächen wie möglich zu erzeugen, damit der Hintergrund nicht sichtbar wird. Das Licht kann mit Hilfe von Pergamentpapier leicht gestreut werden, und lässt sich so einfach auch in das Setup hineinstellen.

 

Blitzkonfiguration

Wie oben schon geschrieben verwende ich meist zwei entfesselte Blitze. Diese steuere ich mit einem Funksystem von Yongnuo an. Dabei kommen zwei 622C als Empfänger und ein 622C-TX als Sender zum Einsatz. Vorteil des 622C-TX ist die Möglichkeit sämtliche Blitzeinstellungen über das externe Display direkt vornehmen zu können. So vermeide ich umständliche Zwischenschritte über das Kameramenü.

Hier gibt es eine Erklärung und Vorstellung der Yongnuo-Funksender.

In einem High-Key Aufbau ist mein vorrangiges Ziel eine gleichmäßig helle Ausleuchtung des Objekts. Gleichzeitig versuche ich mit dem zweiten Blitz den Hintergrund deutlich stärker zu belichten um das Objekt möglichst freizustellen. Mit einer Spotmessung auf das Objekt, kann ich die spätere optimale Belichtung feststellen und ggf. mit der Belichtungskompensation anpassen.

Durch die weißen Platten um das Objekt herum wird das Licht mehrmals hin und her reflektiert und dabei gestreut. Dadurch wird eine sehr ausgeglichene Lichtverteilung gewährleistet und es entstehen kaum Schatten.

Highkey mit Softbox
Highkey mit Softbox

Anders verhält es sich bei den Low-Key Aufnahmen.
Hier versuche ich möglichst wenig Licht auf die Rückwand fallen zu lassen.

Jede Reflexion auf dem Hintergrund muss nachträglich retuschiert werden, weshalb ich versuche dieses Problem möglichst vor dem Auslösen in den Griff zu bekommen. So verwende ich neben einem Abschatter aus Schaumstoff auch schwarzen Karton um das Licht zu lenken.

Die schwarzen Kunststoffplatte schlucken extrem viel Licht, weshalb ich in diesem Setup auf einen höheren Direktanteil des Blitzlichts angewiesen bin. Optimal wäre die Verwendung von Striplights, die mir leider nicht zur Verfügung stehen, doch auch mit Pergamentpapier und Karton, kann man sich hier erfolgreich behelfen.

Lowkey mit Pergamentpapier
Lowkey mit Pergamentpapier

 

Kameraeinstellungen

Was die Kamera und Blitzeinstellungen angeht, starte ich mit etwa 1/16 der Blitzleistung und taste mich langsam an die optimalen Werte heran.
Bei rein indirektem Blitz kann die Blitzleistung auch 1/8 betragen, bei hartem direktem Licht senke ich die Leistung meist auf etwa 1/64.

Meist nutze ich ISO 200 und Belichtungszeiten von 1/250 Sekunde. Mit einer recht großen Blendenzahl von 8+- bleibt mir nur noch das Blitzlicht erhalten und das Tageslicht oder die Raumbeleuchtung fallen nicht mehr ins Gewicht.

Mit der Blitzbelichtungskorrektur kann ich bei kleinen Belichtungsfehlern leicht korrigieren, bei größeren Abweichungen stelle ich die Leistung der Blitze manuell ein. Meist verwende ich die Spotmessung um die Kamera unabhängig vom Hintergrund messen zu lassen. Damit habe ich schon einen deutlich weißeren Hintergrund, als mit der Mehrfeldmessung. Hier würde die Kamera auf ein mittleres Grau belichten, und das Objekt wäre wie im folgenden Bild unterbelichtet.

Sind die Blitz- und Belichtungseinstellungen an das Setup angepasst, kann ich die Kamera beliebig verschieben um mein Objekt aus verschiedenen Winkeln zu fotografieren.

 

Nachbearbeitung

Die Nachbearbeitung der Bilder findet bei mir meist ausschließlich in Lightroom statt.

Zunächst passe ich die Belichtung sauber auf das Objekt an. Bei High-Keys erhöhe ich dann die Weißwerte und Lichter soweit, dass sie im fotografierten Objekt gerade noch nicht ausfressen.

Das lässt sich mit dem Drücken der ALT-Taste und gleichzeitigem Verschieben der jeweiligen Regler kontrollieren.

Highkey in Lightroom
Highkey in Lightroom

Danach werden die Ränder um das Objekt versäubert, eine eventuelle Chromatische Aberration entfernt und der Hintergrund mit dem Pinselwerkzeug entsättigt und aufgehellt. Dies funktioniert mit einem Zeichentablett sehr schnell und einfach.

Bei Lowkeys ist mein Arbeitsvorgang umgekehrt. Hier senke ich die Belichtung soweit ab, dass mir die schwarzen Stellen nicht ausfressen und Schatten noch als solche erkennbar bleiben.
Mit dem Pinselwerkzeug korrigiere ich um das Objekt herum die Belichtung und Tiefen soweit ab, dass der Hintergrund wirklich schwarz ist.

Auch das lässt sich wieder bequem mit der ALT-Taste kontrollieren.

LowKey in Lightroom
LowKey in Lightroom

Staubkörner werden weggestempelt und unerwünschte Reflexionen in Photoshop entfernt.

Dann können die Bilder exportiert und weiterverarbeitet werden.

 

Ich hoffe dieser Artikel hat dir etwas gebracht, bei Fragen und Anregungen freue ich mich immer über Kommentare.

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