Elba Graufilter

Graufilter, ND-Filter

Was sind Grau- oder ND-Filter und welche Funktion haben sie?

CheatsheetsNormalerweise ist eines der wichtigsten Ziele in der Fotografie, die Belichtungszeit auf das kleinstmögliche Maß zu reduzieren.
Im Gegensatz dazu steht die Verwendung eines Graufilters.
Andere Namen sind ND-Filter (Neutraldichte /Neutral density) oder Neutralfilter

Der Graufilter dunkelt das Bild (wie eine Sonnenbrille) ab und verlängert damit die Belichtungszeit künstlich um einen festgelegten Faktor. Dadurch ist es möglich Bilder sehr weich und surreal erscheinen zu lassen. Außerdem findet er Anwendung in Portraitshootings.

ND-Filter Beispiel
ND-Filter Beispiel
Überblick über den ND-Filter

Der ND Filter ist im Prinzip nichts anderes als eine halb durchsichtige Scheibe, die vor dem Objektiv angebracht wird und dabei NUR die Helligkeit reguliert. Auch wenn er meist grau oder Schwarz erscheint, werden Farben und Schärfe von einem Graufilter nicht beeinflusst. Deshalb wird er auch Neutraldichte Filter genannt. Der ND-Filter lässt sich übrigens wie der Polfilter nicht digital nachbilden.

 

Welche Möglichkeiten bietet ein Graufilter?

Ein Graufilter ermöglicht abhängig von seiner Dichte deutlich längere Belichtungszeiten. So lassen sich Verschlusszeiten von mehreren Minuten realisieren. Doch auch die Tiefenschärfe kann durch die Verwendung eines ND-Filters beeinflusst werden. Zusätzlich ermöglicht er es die Schärfe im Bild zu erhöhen.

Schärfere Bilder und Längere Belichtungszeiten

Viele ambitionierte Fotografen kennen die Bilder von samtweichen Bächen und schneeweißen glatten Wasserfällen. In den meisten Fällen sind diese Bilder mit einem ND-Filter entstanden. Die lange Belichtungszeit lässt das Wasser verschwimmen und gleichmäßig weich erscheinen.
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Um Belichtungszeiten von mehreren Sekunden zu erreichen, wäre man ohne einen Graufilter gezwungen die Blende so weit wie möglich zu schließen. Tagsüber ist es oft, trotz geschlossener Blende und ISO100, nicht möglich lange zu belichten, ohne dass die Bilder viel zu hell werden. Hier kommt der Graufilter zum Tragen. Zum einen kann durch die Verwendung des ND-Filters die Belichtungszeit auf mehrere Sekunden erhöht werden, gleichzeitig lässt sich der Blendenwert verringern, um dem Bild mehr schärfe verleihen.
Dies hängt mit der sogenannten Diffraktion zusammen. Jedes Objektiv hat einen optimalen Schärfebereich, der in etwa bei der Hälfte seiner Blendenwerte liegt.

ND Filter Meer Elba
Das Meer scheint weich und gleichmäßig
Wie lange sollte ich für solche Bilder belichten?

Bei Wasserfällen sind Zeiten zwischen 5 und 30 Sekunden absolut ausreichend. Bei der Fotografie von Wasseroberflächen wie dem Meer welches Steine in Wellen umspült, empfiehlt sich eine Belichtungszeit von über 30 Sekunden. Hier ist die Verwendung des Bulb-Modus in Kombination mit einem Fernauslöser sinnvoll. Auch Wolkenbilder profitieren von Langen Belichtungszeiten.

Hier gibt es einige Tipps für bessere Langzeitbelichtungen.

Fotografieren mit Offenblende

Eine zweite Verwendungsart des Graufilters ist die Verringerung der Tiefenschärfe in heller Umgebung. Die meisten Kameras bieten Verschlusszeiten von bis zu 1/4000s. An sonnigen Tagen kann es besonders bei der Verwendung von lichtstarken Objektiven mit Offenblende zu starken Überbelichtungen kommen. Korrekt belichtete Bilder, erfordern dann eine höhere Blendenzahl. Um beispielsweise in der Portraitfotografie trotzdem einen weichen und unscharfen Hintergrund zu erhalten, kann ein Graufilter zu Einsatz kommen. Mit diesem lässt sich das Bild abdunkeln und dabei  die Belichtungszeit auf ein adäquates Maß anheben.

 

Fotos, die mit einem ND-Filter entstanden sind:

 

Wie sehen diese Filter aus und welche Filterarten gibt es?

Die am häufigsten verwendete Filterart ist der sogenannte Schraubfilter.

650d ohne Filter
650d ohne Filter
650d mit ND-Filter
650d mit ND-Filter

Dieser wird auf das Filtergewinde des Objektivs aufgeschraubt und lässt sich nicht verschieben und bietet gleichzeitig eine minimale Bauhöhe. Außerdem lassen sich so beliebig viele Filter voreinander schrauben. Hier sind Hersteller wie Haida, Hoya und B&W
Hier ist auf die passende Filtergröße zu achten.
Bei Schraubfiltern gibt es die Möglichkeit, mit Filteradaptern zu arbeiten. Hierbei wird der größte benötigte Filter gekauft und mit Adapterringen auf ein anderes kleineres Objektiv angepasst. Dadurch können die Kosten für Filter gesenkt werden, da nur ein Filtersatz benötigt wird.
Ich selber verwende diese Methode nicht, da ich meine Streulichtblenden zusätzlich montieren möchte.

Eine andere Bauform ist der Einschubfilter. Hier gibt es verschiedene Systeme, in denen abgedunkelte Glas oder Kunststoffscheiben in einen Rahmen eingeschoben werden können und das Bild sehr flexibel abdunkeln lassen. Das bekannteste System ist hier wohl das von Cokin.

650d mit Einschubfilter
650d mit Einschubfilter

Dieses System empfiehlt sich besonders in Verbindung mit Grauverlaufsfiltern, die von Grau in durchsichtig übergehen und so Teile des Bildes abdunkeln lassen. Von der Verwendung von Grauverlauffiltern in der Schraubvariante rate ich ab. Hier fehlt im Vergleich zum Einschub-System die Flexibilität, die Filter drehen und verschieben zu können, um den Grauverlauf dem Horizont entsprechend anzupassen.

Unterschiedliche Grauverlauffilter
Unterschiedliche Grauverlauffilter

Leider haben die Einschubfilter einen entscheidenden Nachteil: Es kann keine Streulichtblende mehr verwendet werden. Deshalb verwende ich bis auf die Graufverlaufsfilter nur Schraubfilter.

 

Ein wenig Theorie

Es gibt verschiedene „Stärken“ bei ND-Filtern. Diese werden mit unterschiedlichen Zahlenwerten angegeben. Es gibt Bezeichnungen wie z.B. ND8, ND64 oder die technischen Dichtewerte wie 0.9 oder 3.0…

In der folgenden Tabelle sind verschiedene ND-Filter aufgelistet. Die gängisten Filter sind grau hinterlegt. Die Angabe ND(x ) ist neben der einfachsten Bezeichnung für den Graufilter gleichzeitig der ungefähre Multiplikator für die Belichtungszeit. Die Dichte ist ein weiterer Wert, der gelegentlich statt der ND-Werte angegeben wird. Wer sich diese Werte nicht merken will, kann hier die Cheatsheets am ende der Seite als PDF herunterladen.

Cheatsheet ND-Filter-Typen

Ich gebe zu, dass die Berechnung von Belichtungszeiten für die Verwendung von ND-Filtern nicht gleich einleuchtet.
Bei schwächeren ND-Filtern ist ein Rechnen auch nicht notwendig. Hier schafft es die Kamera trotz aufgeschraubtem Graufilter korrekt zu messen und zu belichten. Ab etwa einem ND64 etwa sollte man die Zeiten berechnen. Hier ist die Kamera oft nicht mehr in der Lage korrekt zu fokussieren, oder richtig zu messen. Hier kurz ein Rechenbeispiel:

Würde ich ein Bild normalerweise ohne Filter mit 1/50s belichten, müsste ich bei der Verwendung eines ND-8 Filters schon etwa 1/8 Sekunde belichten. Mit einem ND64 eine Sekunde und mit einem ND1000 schon 15 Sekunden.

Wie kommt dieser Wert zustande?
Mit jeder Erhöhung des Blendenwertes um einen ganzen Blendenschritt wird die Belichtungszeit verdoppelt. Deshalb ist es sinnvoll die sich die Blendenwerte für die verschiedenen Neutraldichtefilter vor Augen zu führen.

In der nächsten Tabelle siehst du eine Auflistung der gängigsten Graufilter und Graufilterkombinationen mit der entsprechenden Anzahl an Blendenstufen, um welche die Belichtung reduziert wird.
Die linke Spalte gibt die Belichtungszeit ohne Graufilter an. Aus diesen beiden Daten lassen sich die Eckdaten für die korrekte Belichtungszeit finden.

Cheatsheet - ND-Filter, Graufilter, Belichtungszeit
Cheatsheet – ND-Filter, Graufilter, Belichtungszeit

Auch diese Tabelle ist in der Cheatsheet – PDF zu finden.

Die Cheatsheets können hier als PDF heruntergeladen werden:

Cheatsheet ND-Filter
Cheatsheet ND-Filter
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